Lebenslanges Arbeiten oder was ist ein sicherer Arbeitsplatz?
Unter dem Motto "Jugendwahn in der Gesellschaft? - Neue Chancen für
Ältere" trafen sich am 18.01.2006 im Haus der Wirtschaft zahlreiche
interessierte Unternehmer und Multiplikatoren, aber auch Arbeitslose, die
Argumentationshilfen für die Wiedereinstellung suchten.
Wirtschaftsminister Ernst Pfister eröffnete die Veranstaltung mit den
Worten: "Wir müssen den demographischen Wandel als Chance
begreifen." Er verwies auf die Studien, die eindeutig belegen, dass bereits
ab 2010 die Altersgruppe der 30- bis 40-jährigen Erwerbstätigen in
Baden-Württemberg um 20 Prozent sinken wird.
Mit einer Flut an Informationen präsentierten sich Manager und Inhaber
von überwiegend mittelständischen Unternehmen und berichteten über
ihre Best-practice-Beispiele. Wahrhaft bildlich sprach Otmar Fahrion über
den Rotationsprozess der Mitarbeiter. Lernten sie nach dem Studium von
der Pike auf in seinem Betrieb das Handwerk, waren die Kollegen mit dem
nötigen Know-how ausgestattet, wenn sie zur Großindustrie wechselten.
Wenn die Führungsverantwortlichen im Konzern durch die neue
Generation junger Manager ersetzt werden, sammelt Otmar Fahrion die
"Edelsteine, die nun noch einen feineren Schliff haben", wieder ein. Auch
Uli Kipper von den it-Werken in Lahr machte die Erfahrung, dass die
Innovationskraft der jungen Mitarbeiter sein IT-Unternehmen weiterbringt,
der Verkauf des Produktes jedoch auf Augenhöhe mit Managern erfolgt,
die der Generation 50 plus angehören. Der erfolgreiche Unternehmer
lernte, dass er sich optimaler präsentieren kann, wenn er routinierte und
erfahrene Mitarbeiter mit jungen wissbegierigen Kollegen mixt. Kipper
erklärte, dass er erst jüngst einen 62-Jährigen als EDV-Administrator
eingestellt habe.
BDS-Präsidentin Dorothea Störr-Ritter informierte die Kongress-
Teilnehmer über die Umfrageergebnisse der kleinen und mittleren Betriebe
zu den Chancen und Risiken für den Mittelstand beim demographischen
Wandel. Störr-Ritter zeigte sich zuversichtlich, dass die BDS-Mitglieder
bereits gelernt haben, die Vorzüge älterer Mitarbeiter zu schätzen. Die
Stärken Älterer seien zu nutzen und eventuelle Schwächen auszugleichen.
Der Verein Humanes Wirtschaften e.V. hatte sich mit drei Arbeitslosen-
Initiativen zusammengeschlossen, um beim Kongress den Teilnehmern
Rede und Antwort zu Fragen bezüglich der Einstellung älterer
Arbeitsuchender zu stehen. Schon am frühen Vormittag verteilten die
Ehrenamtlichen am Treppenaufgang die mixit-Broschüre. Hinter mixit
stehen die vier Initiativen Humanes Wirtschaften e.V., myself e.V.,
Arbeit50plus e.V. sowie der Fit4-work-Stammtisch. Mehr erfahren Sie in
der nächsten Ausgabe des "Selbständigen", bei dem das wichtige Thema
"Demographie und Wandel" für den Mittelstand ausführlich beschrieben
wird.